Ein Hauch von Thermik

Es ist der 11. Oktober. Eine schöner, sonniger, fast windstiller Tag… durch den vielen Regen ist der Flugplatz zwar feucht, aber da es ja einer der letzten Tage ist, an denen man noch richtig schön fliegen kann, nutzt man doch jede freie Minute dafür.

Ich rüste die Libelle auf. Eigentlich denkt man sich, wenn man dem Wetterbericht folgt „ach, lohnt doch eh nicht“… doch ein Freund überredet mich. Alles dran, kurz abkleben, check… alles sieht gut aus! Wir schieben die Libelle zum Start… bei dem Leichtgewicht fußläufig sogar. Heute ist die 25 in Betrieb. Leichter Wind aus Südwest. Man kann im T-Shirt rumlaufen. Die Sonne tut so gut.

Gegen 13 Uhr mache ich den ersten Start… man merkt, die Luft ist ruhig. Man gleitet vor sich hin. Doch man muss schnell wieder runter. An Thermik? Eigentlich nicht zu denken. Eben genau das, was der Wetterbericht halt gesagt hat.

Ein paar Starts später… die Schulung läuft in vollem Gange. Ein paar Fluggäste sind auch da. Die üblichen Platzrunden eben.

Ich wage einen zweiten Versuch. Mir ist eigentlich schon klar, dass es wieder nur ein kurzes Vergnügen sein wird. Vor allem wo sich jetzt grade ziemlich dicke, breite Wolken – so typische Wassersäcke – vor die Sonne schieben.

Die Libelle hebt ab. Konstanter Schlepp bei 100km/h, optimal. Ausgeklinkt. Man spürt wieder die Ruhe der Luft… das rauschen der Winde. Ich probiere es mal am Wasserwerk, da in der Nähe war es doch schon vorhin so schön ruhig… oder sogar zu ruhig? Es zuppelt. Man merkt, dass da was ist… einkreisen! Mh …ein Nullschieber? Vielleicht kann man sich ja darin halten. Zweiter Kreis… schade, er ist wieder weg… Nein, da ist er wieder… geh schärfer rein… verlagern… es schiebt wieder. Kein steigen, kein sinken, aber trotzdem ein hauch von Thermik. Ich bleibe drin. E-Vario brauch ich nicht. Vielleicht kann man aus der 5-Minuten Platzrunde doch noch drei Minuten mehr rausholen?!? Ich kreise weiter… die Libelle, graziel und elegant im seichten Wind… es drückt uns hoch..was ist das? 0,2m steigen?! Kann das sein? Ich kreise weiter… flach, nicht zu steil. Der Faden in der Mitte. Seichte Ruderausschläge. 85km/h. Nase am Horizont. Sie bleibt drin. Wir steigen! Aus 0,2 werden doch noch 0,5… der Wind, er versetzt mich leicht nach Norden… gleich bin ich über dem Flugplatz.

Doch die Fliegerkameraden unten wollen starten. Michael fragt mich kurz über Funk, wie hoch ich sei. Bei 500m über dem Platz keine so gute Idee. Ich geh‘ raus. Na immerhin 150m Höhe gemacht… mehr als ich erwartet hätte. Ich fliege hinter die Position. Höhe hab ich noch satt… die Luft ist wieder ruhig. Die Libelle sinkt leicht bei -0,4 m/s… das ist OK … doch was ist das? Es drückt uns hier wieder nach oben… das lässt man sich nicht entgehen… die Thermiklust hat mich gepackt, wenn auch so schwach. Der Bart wirkt zerissen.. nicht konstant… wieder 0,2… tendenz steigend… ich geh steiler rein…die richtige Entscheidung! 0,5… da ist doch mehr raus zu holen… nein, er wird wieder schwächer… der Wind versetzt mich wieder nach Norden… muss ich mich gleich in Dortmund anmelden? Lohnt es sich? Ich entscheide mich dagegen. Der Bart ist nicht konstant genug. Ich verlagere wieder mehr südlich… was ist das? Es zieht dort noch besser… aus 0,5 wird doch glatt 1,0m/s… wie geil ist das denn? Es zieht mich auf 675m … unglaublich!

Doch hier wird aus dem Bart wieder ein Nullschieber… dann ein sinken… ich versuche ihn nochmal zu finden… es klappt nicht mehr… ich fliege nochmal in Richtung Campingplatz, dann über die Ruhrbrücke… seichte Luft, wie ich sie erwartet hatte, aber kein Steigen mehr. In Richtung Schnapsberennerei ist auch nichts mehr. Egal… es war so schön! Bei 300m schöner paralleler Gegenanflug auf die 25… „Delta 8883 an Position, Fahrwerk ausgefahren und verriegelt“. Ich lande.

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